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Aggressives Verhalten – Mythen und Tatsachen

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Aggressives Verhalten beim Hund, egal ob es sich gegen Artgenossen oder Menschen richtet, führt immer zu großer Verunsicherung. Zu gern greift man zu Wasserflaschen, Klapperdosen, Leinenruck und Co um das Übel möglichst schnell und effektiv zu beseitigen.

Dabei ist gerade in diesen Bereichen eine funktionale Verhaltensanalyse besonders wichtig.

Strafe ( und dazu gehören Schreckreize, Schmerzeinwirkung und Bedrohen ) ist im Alltag, für die meisten Hundehalter, unmöglich regelgerecht einzusetzen . Das wird bei den „schnellen“ Lösungswegen gern vergessen.

Fehler in der Anwendung, verschlimmern oft das Problem, steigern die Aggressivität  oder sorgen für andere Verhaltensprobleme.

Aggression wird durch Umweltfaktoren bedeutend mit beeinflusst. Wir haben es mit einem sehr komplexen Verhalten zu tun, welches weder unnormal noch schlecht ist.

Es gibt Antezedenzien, die das Auftreten aggressiven Verhaltens sehr wahrscheinlich machen. Es gibt sie in fast allen Situationen des täglichen Lebens, demzufolge kann aggressives Verhalten auch überall auftreten.

Sie zu erkennen, ist ein wesentlicher Bestandteil in der Arbeit mit dem Tier und in der Prävention von Verhaltensproblemen.

Es wird unter offensiver und defensiver Aggression unterschieden, nicht immer werden die Begriffe richtig eingesetzt. Manchmal hört man Wertungen, wobei die eine oder andere Art, schlimmer oder weniger schlimm sei.

Fakt ist, dass beide Formen nicht getrennt auftreten, meist entsteht in der Situation eine Mischmotivation oder aber die Auseinandersetzung selbst, entwickelt eine eigene Dynamik.

Offensive Drohsignale können sehr subtil sein und infolgedessen, nicht beachtet werden. Das führt dann meist zu Aussagen wie : der Hund hat aus heiterem Himmel, ohne Vorwarnung angegriffen.

Meist werden sie gezeigt, wenn es im Konflikt um eine Ressource geht. Ressourcen sind nicht nur Futter, sondern auch Wasser, Beziehungspartner, Sexualpartner oder das Territorium.

Aber auch die Stellung innerhalb einer Hierarchie ist eine Ressource, die verteidigt wird. Theoretisch dienen diese Drohsignale dazu, innerhalb einer Gruppe,  Konflikte ohne direkte körperliche Auseinandersetzung, zu beenden.

Aggression hat die Funktion, beim Gegenüber Angst zu erzeugen!

Defensive Aggression richtet sich meist gegen Fressfeinde und in den meisten Fällen dann, wenn die anderen Strategien, wie Fliehen, Zurückweichen, Erstarren keine Wirkung zeigen oder nicht angewandt werden können.

Diese Strategien sind von einer ausreichenden Distanz zwischen den Kontrahenten abhängig – siehe Artgenossenbegegnungen an der Leine!

Vieles an aggressivem Verhalten fußt auf Angst und Ängstlichkeit, deshalb sollten Ängste  weiterhin bearbeitet werden, auch wenn der Hund mit den Auslösern scheinbar kein Problem mehr zu haben scheint.

Ist das Verhalten normal? Für den betroffenen Hund macht es Sinn, ist es adaptiv. Für Halter, Trainer und Umwelt stellt es eine ernst zu nehmende Bedrohung dar.

Verhalten, das möglichst schnell „abgeschaltet“ werden muss, wenn nötig mit Gewalt.

Das Bedürfnis nach Vergeltung, Rache ist tief verwurzelt und ein gewaltfreier Ansatz wird oft als zu „weich“ angesehen.

Es wird der Schaden, der mit der Verhaltensreaktion einhergehen könnte, in das  Verhältnis mit der Gegenmaßnahme gesetzt. Je drastischer das Verhalten, desto aversiver muss die Reaktion darauf ausfallen.

Es gibt aber nachweislich effiziente, gewaltfreie Methoden um aggressives Verhalten zu verhindern und durch Alternativverhalten zu ersetzen. In Kooperation mit dem Menschen.

Ist ein Verhalten augenscheinlich „außerhalb“ der Norm, tritt völlig unerwartet, unpassend auf muss immer auch ein medizinischer Hintergrund in Erwägung gezogen werden! Schmerzen liegen oft aggressivem Verhalten zu Grunde.

Stress verändert die Bereitschaft aggressiv zu reagieren. Stressoren müssen erkannt werden, auch dann, wenn sie scheinbar mit dem Auftreten des Verhaltens nichts zu tun haben. Stress spielt eine entscheidende Rolle bei der Bearbeitung von Problemverhalten.

Meist werden die Stressoren in der Arbeit mit Problemverhalten aber nicht verringert, sondern, ganz im Gegenteil, vermehrt. Das äußert sich im veränderten Verhalten des Menschen :  er agiert ungewohnt, impulsiv und laut, wirkt bedrohend und im schlimmsten Fall wird, die an sich schon angespannte Situation, noch mit Schmerzreizen, wie Leinenruck, Schnauzgriff und dgl. angefeuert.

Diese ambivalenten Interaktionen des Menschen sorgen für eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit von aggressivem Verhalten.

Bei impulsiven Hunden wird oft zu einem Training der Impulskontrolle geraten. Dabei sollte man aber nie aus den Augen verlieren, dass Impulskontrolle Frustration und Gereiztheit erhöht und damit aggressives Verhalten wahrscheinlicher macht.

Es gilt im Training nun nicht generell diese Übungen zu vermeiden sondern viel mehr Prioritäten zu setzen, wo Impulskontrolle Sinn macht und wo nicht. Auch im Aufbau von Impulskontrollübungen gibt es Feinheiten, auf die man achten sollte.

Der viel zitierte Gehorsam, der bei aggressiven Auseinandersetzungen hilfreich sein soll, stellt sich als Trugschluss heraus.

Problematischem Verhalten mit alt hergebrachtem Gehorsamstraining zu begegnen, muss also als Trainingsmaßnahme hinterfragt werden.

Der Halter sollte viel mehr  lernen, seinem Hund funktionale Alternativen zu ermöglichen. Ein unter Druck und Zwang auftrainiertes „Alternativverhalten“ ist nicht funktional!

Diese Alternativen brauchen im Aufbau Zeit, Geduld, ein kleinschrittiges und vor allem entspanntes Training für den Hund.

Es geht nicht darum auf die Schnelle ein Signal zu etablieren und mit einer Verhaltensreaktion zu verknüpfen. Je entspannter ein Hund  Alternativen auf Signal erlernt hat, desto länger wird es dauern bis Aggression ausgelöst wird. Dazu gehören große Distanzen, Ruhe und entspannende Maßnahmen, die das Training flankieren.

 

 

 

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By | 2017-07-08T18:04:04+00:00 Juli 8th, 2017|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Aggressives Verhalten – Mythen und Tatsachen

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